Elfen Lied » Review - Animeszene.de - Selbstgefertigte Itashas, Reviews (2024)

Für viele Otakus aus meinem Umfeld und ebenso für mich selbst ist er eine nachhaltig prägende Erfahrung gewesen und gehörte zu den ersten „Erwachsenen-Animes“, die man damals gesehen hatte. Die Rede ist von dem modernen Kult-Klassiker „Elfen Lied“, welchen uns „KSM Anime“ freundlicherweise in einer Complete Edition auf Blu-Ray mit allen 13 Folgen zur Verfügung gestellt hat.

Ist die Begeisterung nach den vielen Jahren immer noch dieselbe oder hat sich meine Meinung aus heutiger Sicht vielleicht geändert?

Worum es bei „Elfen Lied“ geht:

In einer Forschungseinrichtung wird Alarm ausgelöst. Alle rennen hastig hin und her, Soldaten bewaffnen sich und nehmen das dafür verantwortliche Ziel ins Visier. Es handelt sich um eine junge unscheinbare Frau, nackt, mit rosa Haaren und kleinen Hörnern auf dem Kopf. Sie ist eben aus ihrem Gefängnis ausgebrochen und nimmt gnadenlos Rache an ihren Peinigern. Sie hört auf den Namen Lucy und besitzt übernatürliche Fähigkeiten jenseits jeder Vorstellungskraft. Keiner dieser Männer kann ihr auch nur ein Haar krümmen und selbst Gewehr-Projektile werden problemlos in ihrer Flugbahn angehalten. Mittels telekinetischer Kräfte und einer Art von unsichtbaren Armen schneidet sie in Sekundenschnelle durch Haut, Fleisch und Knochen. Eine Schneise der Verwüstung und Leichenberge zieht sich durch die gesamte Basis. Doch als sich Lucy schon fast sicher in Freiheit wähnt, trifft sie aus dem Hinterhalt ein panzerbrechendes Geschoss. Sie erleidet eine schwere Kopfverletzung und stürzt benommen ins Meer.

Wir erleben einen Ortswechsel in eine deutlich harmonischere Atmosphäre:

Kouta und Yuka sind überglücklich, sich nach langer Zeit endlich wiedersehen zu können. Zu verdanken ist dies dem Umstand, dass beide sich für ein Studium in Naturwissenschaften an der gleichen Universität eingeschrieben haben. Bei einem Spaziergang am Strand treffen sie auf ein offensichtlich geistig verwirrtes, unbekleidetes Mädchen mit Hörnern, die außer dem Laut Nyuu keinerlei Artikulationen von sich geben kann. Kurzerhand wird sie deshalb auf den Namen Nyuu getauft und soll vorerst mit Kouta in einer großen Herberge leben, die den Eltern von Yuka gehört. Selbst einfache Dinge wie essen oder das Benutzen einer Toilette scheint die süße und liebenswerte Nyuu nie gelernt zu haben.

Die Rolle der Ersatz-Eltern steht den Studenten gut zu Gesicht, trotzdem ist auch ihr Verhältnis unter einander alles andere als frei von Spannungen und Kompilationen. Yuka liebt Kouta bereits seit ihrer Kindheit und entwickelt eine fast schon gefährliche und krankhafte Eifersucht gegenüber allen Frauen, zu denen er nett ist. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Kouta dessen auch nicht bewusst ist und aufgrund eines schrecklichen Traumas Teile seines Gedächtnisses verloren hat, eben jene Erinnerungslücken aber gleichzeitig dazu beitragen könnten, die wahren Gefühle seiner Freundin zu verstehen.

Was für die beiden noch vollkommen im Verborgenen bleibt, aber dem Zuschauer bereits klar ist: Nyuu und Lucy sind ein und dieselbe Person. Durch die Verletzung entstand eine gespaltene Persönlichkeit, die beim Stoßen des Kopfes aber genauso willkürlich verändert und zutage gefördert werden kann.

In der Forschungseinrichtung will das Team um den wissenschaftlichen Leiter Kurama und dessen sad*stischen Vorgesetzten Generaldirektor Kakuzawa unterdessen nichts unversucht lassen, ihre „Eva“ schnellstmöglich wieder in Gewahrsam zu nehmen. Denn Lucy gehört zu den Diclonius, eine Anomalie der menschlichen Genetik, die zwar nur selten vorkommt, aber mithilfe der telekinetischen Arme, den sogenannten Vektoren, kann das entsprechende Erbgut beispielsweise auch auf den Embryo einer schwangeren Frau übertragen werden. Sie könnte also der Beginn einer neuen Evolutionskette von verbesserten Menschen sein.

Einschätzung:

Um gleich mal vorneweg meine Eingangsfrage zu beantworten. „Elfen Lied“ hat mich damals wie heute komplett begeistert und fasziniert.

Wir haben es hier mit einem Werk zu tun, was eine wahrlich düstere und vielschichtige Story bietet. Schon bei seinem Release wurde es kontrovers diskutiert. Explizite Brutalität, Gewalt an Kindern und Tieren, Mobbing und Pädophilie werden hier ungeschönt und direkt thematisiert. Die Einordnungen zu Seinen und Psychodrama kommen daher nicht von ungefähr und die Serie wurde klar auf ein älteres Publikum zugeschnitten. Wer sich aber darauf einlassen kann und will, bekommt allerdings erstaunliches geboten, was noch lange nachhallt und im Gedächtnis bleiben wird.

Generell hat mich beeindruckt, wie viel Story in diese gerade einmal 13 Folgen gepackt wurde. Neben den schon genannten Figuren gibt es noch viele weitere, die eine handlungstragende Rolle einnehmen. Sie alle bekommen genügend Raum, sich zu entfalten und uns glaubhaft ihre jeweils ganz eigene Hintergrundgeschichte zu erzählen. Dabei wirkt es nie chaotisch oder überladen. Die Spannung wird stets hochgehalten und man bekommt immer wieder starke Plottwists präsentiert, welche alles plötzlich in einem anderen Licht erscheinen lassen. Sympathien für Charaktere verschieben sich durch moralische Ambivalenz in ihrem Handeln, genauer gesagt, wenn wir mehr über die Motive dahinter erfahren.

Ich würde sogar fast so weit gehen zu sagen, dass abgesehen von Nyuu und dem später hinzukommenden obdachlosen Mädchen Mayu, niemand von ihnen eine wirklich reine Seele besitzt. Erstere bildet mit ihrer naiven Unschuld natürlich auch einen krassen Gegensatz zur eiskalten Killerin Lucy. Gewissermaßen sieht man hier 2 völlig unterschiedliche Protagonisten in einer Person, die genreübergreifend nach wie vor zu den besten und komplexesten zählen, welche ich jemals in einem Anime gesehen habe. Obwohl der komplette Cast Standing Ovations verdient hätte, sind die beiden hier stets Star und Mittelpunkt der Story.

Nicht zuletzt stellt „Elfen Lied“ auch humanistische und existenzielle Fragen in philosophischer Form und erinnert in diesem Punkt an große Meisterwerke der Filmgeschichte wie „Blade Runner“ und „2001-Odyssee im Weltraum“. Uns wird die bestialische Natur des Menschen im Streben nach immer mehr Macht und Perfektion aufgezeigt, insbesondere in Person von Kakuzawa. Für Leute wie ihn sind die Diclonius nicht mehr als ein Werkzeug und eine Waffe. Fragen, ob sie nicht auch selbstbestimmte Wesen mit Gefühlen und einer Identität sind, werden gar nicht erst in Betracht gezogen. Auf der anderen Seite wird Diskriminierung und Mobbing ihnen gegenüber ausgeübt, einzig allein wegen der ungewöhnlichen Hörner. Ich erinnerte mich an dieser Stelle an eine Bekannte von mir, die aufgrund ihrer roten Haare zu Schulzeiten gemobbt wurde. Daran erkennt man, wie sehr sich dieses traurige Szenario leider auch 1:1 auf unsere Realität übertragen lässt.

Wie schon erwähnt, wird die Action ausgesprochen brutal, blutig, aber in ihrer Form ebenso ästhetisch dargestellt, was mir hervorragend gefallen hat.

Animation und Zeichenstil sieht man ihr Alter von 17 Jahren zwar an, aber trotzdem wissen sie immer noch zu überzeugen und tragen wie auch die überragende deutsche Synchronisation zum nahezu perfekten Gesamtbild bei.

Der Soundtrack führt passend und eindringlich durch die jeweilige Szene. Für alle Fans wird wohl die wunderschöne Melodie des Opening, genauer gesagt der Spieluhr, einen All-time – Gänsehaut-Moment darstellen, den man nie mehr vergisst.

Als Bonus findet sich auf Disc 2 außerdem die OVA-Episode in Japanisch mit deutschen Untertiteln.

Zum Schluss möchte ich noch als kurze, persönliche Anekdote anbringen, dass ich ohne „Elfen Lied“ meine heutige beste Freundin wahrscheinlich niemals kennengelernt hätte. Meine emotionale Bindung zum Anime wird so um noch eine zusätzliche Komponente erweitert. Ich finde es immer wieder schön und faszinierend, was für Geschichten das Leben doch so schreiben kann. Elfen Lied » Review - Animeszene.de - Selbstgefertigte Itashas, Reviews (1)

Fazit

„Elfen Lied“ ist von der Eröffnungssequenz bis zum Finale ein zeitloses Meisterwerk, was einen fesselt, emotional berührt, zum Nachdenken anregt und gelegentlich sogar schmunzeln lässt.

Ob passionierter Otaku oder Neueinsteiger, jeder sollte diese Serie mindestens einmal in seinem Leben gesehen haben!

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Quelle „YouTube

Produktdetails
TitelElfen Lied
GenresDark Fantasy, Science-Fiction
RegisseurMamoru Kanbe
MediumDVD, Blu-ray
FSKab 18 Jahre
Spieldauer312 Minuten
SerieElfen Lied
SpracheDeutsch (Dolby Digital 5.1), Japanisch (Dolby Digital 2.0)
PublisherKoch Films GmbH“ unter dem Label „KSM"
Kaufmöglichkeitenamazon / ANIME-planet

Wir möchten uns auf diesem Wege herzlich beim Publisher für das Rezensionsexemplar und Bildmaterial bedanken.

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Author: Mrs. Angelic Larkin

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